Gedicht des Tages: Dienstag

Rainer Maria Rilke

Der Panther
Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
So müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
Und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

aus: Das deutsche Gedicht. Vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert, Frankfurt 1990.

Das Gedicht von Montag findet man hier.

Gib (d)ein eigenes Gedicht bis zum 18. März 2011 in der Schulbibliothek ab. Am 21. März ist Welttag der Poesie und wir möchten an diesem Tag möglichst viele Gedichte in einer Ausstellung in der Bibliothek vorstellen. Denk bitte daran,dass du den Autor des Gedichts nennst und schreib deinen Vornamen und die Klasse auf die Rückseite, alles andere ist dir freigestellt. Unter den Teilnehmern werden Preise verlost!