Geschichte hautnah erleben

Zeitzeugin Silvia Gingold zu Besuch

Die Zeitzeugin Silvia Gingold, die von 1957-1963 selbst Schülerin der Carl-von-Weinberg-Schule war, besuchte uns am Freitag, den 13.11.2015, im Gedenken an die Reichspogromnacht vom 9.11.1938.

Frau Gingold nahm uns mit in die Zeit des letzten Jahrhunderts und berichtete uns aus dem Leben ihrer politisch engagierten Eltern; Ettite, geborene Stein, und Peter Gingold. Beide waren bei den Jugendkommunisten, um sich für den Wiederstand gegen Hitler einzusetzen. Außerdem berichtete Silvia Gingold von ihren negativen Erfahrungen aus der Nachkriegszeit, aber sie las auch einige Erlebnisse ihrer Eltern aus der historischen Erzählung ihres Vaters vor. Die historische Erzählung ,,Paris -Boulevard St. Martin No. 11 - ein jüdischer Antifaschist und Kommunist in der Résistance und der Bundesrepublik" handelt von dem gefahrvollen Leben Peter Gingolds und seiner ebenfalls jüdischen Familie.


,, Peter Gingold (1916-2006) war einer der profiliertesten jüdischen Widerstandskämpfer und Kommunisten der Bundesrepublik. Besonders seit den 70er Jahren trat er als Redner auf politischen Kundgebungen gegen Naziaufmärsche und als Zeitzeuge in Schulen und bei Jugendgruppen auf. Er hatte viel zu berichten: Die Zeit des aufkommenden Faschismus in Deutschland, Exil in Frankreich und Widerstand in den Reihen der Résistance (Illegalität, politische Agitation unter deutschen Besatzungssoldaten, Flucht aus den Fängen der Gestapo und Teilnahme am Aufstand zur Befreiung von Paris 1944.) Der 8.Mai 1945, das „ Morgenrot der Menschheitsgeschichte“, erlebte er in Turin mit der italienischen Resistenza. Zurückgekehrt nach Deutschland, gestaltete er den politischen Neuanfang aktiv mit, musste jedoch erleben, wie er und seine Familie danach fast zwei Jahrzehnte der erneuten Verfolgung, der Ausbürgerung und des Berufsverbots erlebten. Trotzdem verstand er sich stehts als „ Mut-Macher“, seine Maxime „Nie aufgeben!“" ( Klappentext ).

Frau Gingold verdeutlichte uns durch ihren Bericht und ihre Worte, welchen unglaublichen Diskriminierungen die Juden damals standhalten mussten und wie viele dadurch gebrochen

Die Familie Gingold hat sich nie wie Juden gefühlt, da sie die Religion abgelehnt haben, die Nazis haben sie zu Juden gemacht, so hat es Peter Gingold einmal seiner Tochter Silvia gesagt.

Alle Schüler der zwölften Klassen waren interessiert und hörten ihr gespannt zu, vor allem als sie noch einmal über ihr persönliches Gefühlsbild sprach. Sie verdeutlichte uns so noch einmal am Ende, wie stark die Juden damals sein mussten.,,Wir waren immer Außenseiter [...], wir gehörten immer zu den Diskriminierten, doch meine Eltern waren stark und sie haben mich auch sehr gestärkt."

Vielen Dank, dass Sie diese Erlebnisse mit uns geteilt haben Frau Gingold!

Jennifer Pless 12 Ueb