Freundschaft? Freundschaft!

Freya Klier zu Gast an der CVW - Ein Bericht von Yasmin aus dem Geschichtsunterricht der Oberstufe


Schüler und Schülerinnen des Jahrgangs 13 stehen vor ihren Tischen, wiederholen das von der Person am Lehrerpult gesagte Wort „Freundschaft“ im Chor mit fester Stimme. Darauf müssen sie nach vorne zur Tafel treten, während zwei ausgewählte Schüler die Taschen der anderen durchsuchen – auf der Suche nach Anzeichen von verherrlichten Westprodukten.

Dies ist nicht die Schilderung des normalen Oberstufenalltags an unserer Schule, sondern ein vorher abgesprochener Versuch und ein geplanter Sketch, der den Schülern den Schulalltag in der ehemaligen DDR – der Deutschen Demokratischen Republik - näherbringen soll.

Die Person vorne am Lehrerpult ist nicht irgendein Lehrer, sondern Freya Klier, eine deutsche Autorin und Regisseurin, aber vor allem: ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin.

Am 28. Januar 2016 berichtete sie sechs Schulstunden lang den Schülern von ihrem Leben in der DDR, ihrer Kindheit, ihrer Jugend und später auch ihren Kampf gegen das DDR-Regime. Ganz ohne Fotos schafft es Freya Klier, den Schülern ein detailliertes Bild des Lebens im „Osten“ zu vermitteln, indem sie ihr eigenes Leben Schritt für Schritt in anschaulicher Weise erzählt und sich somit ein Bild ergibt, das deutlich zeigt, wie das Leben in der DDR wirklich ausgesehen hat und die Atmosphäre der damaligen Zeit in das Klassenzimmer holt, welche sich wie ein schwerer Dunst auszubreiten scheint.

Von einem Jahr im Kinderheim in welchem Stalin sozusagen verehrt wurde, zu der Verhaftung des eigenen Bruders wegen Teilnahme an einer zu großen Versammlung in der Öffentlichkeit, zu Selbstmorden ihrer Klassenkameraden, bis hin zu einem bis ins kleinste Detail durchdachten und geplanten Fluchtversuch, der jedoch auf eine Weise scheitert, die einem glauben lässt, man säße in einem schlechten Film und lausche nicht den Schilderungen der Vergangenheit einer lebenden Person.

Abgerundet wird der Vortrag durch dem von ihr und ihrer Tochter selbst gedrehten Filme „Meine Oderberger Straße", über die Veränderung der im Titel genannten Straße, aber auch über das seltsame Leben an der Mauer zwischen Ost und West, über herzergreifende Szenen am Tag des Mauerfalls aber auch über die indirekte Kritik Kliers an der DDR-Diktatur herbeigeführt durch Theater und Musik.
Freya Kliers Vortrag wird von viel Interesse begleitet und mit Beifall belohnt. Es war ein interessanter Ausflug in die noch junge deutsche Geschichte, der einem zugleich ein mulmiges Gefühl im Magen hinterlässt und dessen Schilderungen noch lange nach dem Vortrag in den Köpfen der Schüler verweilen.

Yasmin Schulze. 13Mch/Jae